Wir leben in einer Zeit, in der emotionale Intelligenz – zumindest in Sonntagsreden – hoch geschätzt wird. Jedoch ist emotionale Intelligenz allein für das berufliche Fortkommen nicht unbedingt förderlich. Diese Beobachtung können die meisten Menschen sicher bestätigen: Wer kennt sie nicht, die menschlich klugen Kolleginnen oder Freunde, die hervorragend kommunizieren, andere überprüfbar zutreffend einschätzen und doch beruflich nicht so recht vom Fleck kommen.
Eine Studie aus dem Jahr 2010 von Prof. Dr. G. Blinkle am Institut für Wirtschaftspsychologie der Uni Bonn zeigt eine mögliche Erklärung. Nur wenn emotionale Intelligenz sich mit Karrieremotivation verbindet, wird sie zum Erfolgsfaktor des beruflichen Aufstiegs. Emotionale Intelligenz allein korreliert jedoch ebensowenig mit beruflichem Aufstieg Karrierewillen allein. Zwischen emotionaler Intelligenz und Karrieremotivation gibt es übrigens in der genannten Studie keinen statistisch gesicherten Zusammenhang. (Pressemitteilung zur Studie)
Kleiner Hinweis für NLPler: damit ist überhaupt nichts zur Ökologie von Karrieremotivation oder emotionaler Intelligenz gesagt. Sowohl die Anwesenheit wie auch die Abwesenheit von Karrieremotivation könnte ökologisch sein. Ebenso ist emotionale Intelligenz zwar oft sozial erwünscht, was keinerlei Rückschluss auf ihre Ökologie zuläßt. Ökologie im NLP bemisst sich daran, ob jemand aus einer ganz individuellen Perspektive heraus mit den (sicheren, wahrscheinlichen oder möglichen) Folgen des eigenen Denkens und Tuns umgehen kann. Das soll ja vorkommen, da macht jemand Karriere, ganz sozial kompetent und dann geht es ihm oder ihr damit so richtig schlecht…
Damit Menschen Ökologie (einigermaßen) stimmig gestalten können, benötigen sie ein eigenes Zusammenspiel wenigstens von interpersoneller und intrapersoneller Intelligenz.


